4-Prozent-Regel: Wie viel kannst du entnehmen?
Die 4-Prozent-Regel sagt: Entnimm im ersten Jahr 4 % deines Depots und passe den Betrag danach an die Inflation an. Gib unten dein Depot ein und du siehst, welches Monatseinkommen das grob ergibt.
Woher die Regel kommt
Die 4-Prozent-Regel geht auf US-Studien aus den 1990er-Jahren zurück. Forscher haben sich angesehen, wie sich gemischte Depots aus Aktien und Anleihen in der Vergangenheit verhalten haben, und gefragt: Wie viel konnte man jedes Jahr entnehmen, ohne dass das Geld innerhalb von 30 Jahren ausgeht? Die Antwort lag in den meisten historischen Fällen bei rund 4 % im ersten Jahr, danach jeweils um die Inflation erhöht.
Daraus wurde eine Faustregel, die in der FIRE- und Frugalismus-Szene überall auftaucht. Sie ist praktisch, weil sie zwei Fragen beantwortet: Wie viel Einkommen bringt mein Depot? Und wie groß muss es sein?
Was die Regel in Euro bedeutet
Ein Beispiel in heutigem Geld und vor Steuern: Ein Depot von 300.000 € trägt nach der Regel rund 1.000 € im Monat. Die Inflation ist dabei schon eingepreist, denn der Entnahmebetrag wächst jedes Jahr mit den Preisen mit. Wenn du wissen willst, wie groß dein Depot für deine Ausgaben sein muss, hilft dir die Seite Wie viel Geld für finanzielle Freiheit.
Ist 4 % eine „sichere“ Entnahmerate?
Sicher im Sinne von garantiert ist keine Entnahmerate. Die Regel beschreibt, was in der Vergangenheit meistens funktioniert hat – die Zukunft kann anders laufen. Drei Punkte sind für den deutschsprachigen Raum wichtig:
- Der Zeitraum. Die Studien gingen von 30 Jahren aus. Wer mit 40 aufhört, braucht sein Geld vielleicht 50 Jahre. Viele Frugalisten wählen deshalb 3 bis 3,5 %.
- Die Datenbasis. Die klassischen Studien nutzen vor allem US-Märkte. Ein breiter Welt-ETF streut zwar weltweit, die Vergangenheit anderer Märkte war aber nicht immer so freundlich.
- Steuern und Kosten. Die 4 % sind eine Zahl vor Abzügen. Steuern auf Erträge und laufende Fondskosten gehen noch ab – plane sie als eigenen Posten in deine Ausgaben ein.
Was passiert, wenn du mehr entnimmst?
Sabine ist 57 und hat 500.000 € in ETFs. Nach der 4-Prozent-Regel könnte sie rund 1.670 € im Monat entnehmen. Sie möchte aber 2.500 € im Monat, also 30.000 € im Jahr – das sind 6 %.
Mit 5 % Rendite nach Inflation würde ihr Geld dann noch rund 37 Jahre reichen. Mit 57 klingt das gut. Aber in schlechten Börsenjahren schrumpft das Depot schneller, und der Puffer ist kleiner. Sabine entscheidet sich für einen Mittelweg: zunächst weniger entnehmen und erst aufstocken, wenn die gesetzliche Rente dazukommt.
Die Lehre daraus: Eine höhere Rate ist nicht automatisch falsch, besonders wenn der Zeitraum kürzer ist oder später andere Einkünfte dazukommen. Aber sie nimmt dir Spielraum.
Flexibel bleiben
Die Regel geht davon aus, dass du stur jedes Jahr denselben inflationsangepassten Betrag entnimmst. Im echten Leben bist du flexibler. Viele Frugalisten nehmen in schwachen Börsenjahren etwas weniger, verschieben eine große Reise oder verdienen nebenbei ein wenig dazu. Schon diese Flexibilität macht den Plan deutlich robuster.
Und ein gut gefüllter Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto hilft, in einem Crash nicht verkaufen zu müssen.
Manche Frugalisten nutzen eine einfache Leitplanke: Sie entnehmen in Jahren, in denen ihr Depot deutlich gefallen ist, nur das Nötigste und holen größere Wünsche nach, wenn sich die Kurse erholt haben. Das ist keine Regel aus einer Studie, sondern gesunder Menschenverstand.
Die Regel in der App
Untilfree rechnet standardmäßig mit 4 %, aber du kannst deine eigene Entnahmerate einstellen. Senkst du sie, wird dein Ziel größer und dein Datum rückt nach hinten – so siehst du sofort, was Vorsicht dich kostet. Mehr zur Rechnung dahinter findest du im FIRE-Rechner.
Häufige Fragen
Was besagt die 4-Prozent-Regel?
Du entnimmst im ersten Jahr 4 % deines Depots und erhöhst den Betrag danach jedes Jahr um die Inflation. In vergangenen Marktphasen hat das Geld so in den meisten Fällen mindestens 30 Jahre gereicht.
Was genau ist eine Entnahmerate?
Der Anteil deines Depots, den du im ersten Jahr entnimmst. Wer aus 500.000 € im Jahr 20.000 € entnimmt, liegt bei 4 %. Im Rechner oben siehst du direkt das Monatseinkommen.
Gilt die 4-Prozent-Regel auch für einen Welt-ETF?
Die Studien beruhen überwiegend auf US-Daten, die Grundidee lässt sich aber auf breit gestreute Depots übertragen. Viele, die sehr früh aufhören, wählen zur Sicherheit eine etwas niedrigere Rate.
Ist die Inflation in der 4-Prozent-Regel schon drin?
Ja. Der Entnahmebetrag steigt jedes Jahr mit den Preisen. Deshalb rechnen wir alle Beispiele in heutigem Geld.
Werden Steuern berücksichtigt?
Nein. Die Regel und unsere Rechnung arbeiten vor Steuern. Was auf deine Entnahmen anfällt, hängt von deinen lokalen Regeln ab – plane es zusätzlich ein.
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Untilfree rechnet in heutigem Geld (nach Inflation). Steuern und gesetzliche Rente sind nicht enthalten. Diese Seite ist eine allgemeine Information, keine Anlageberatung.
Veröffentlicht am · von Srofia