Frugalismus-Rechner: Ist die Rente mit 40 drin?
Frugalisten leben bewusst sparsam, legen einen großen Teil ihres Einkommens an und wollen deutlich früher frei sein. Der Rechner zeigt, wie viel du monatlich anlegen müsstest, um mit 40 nicht mehr arbeiten zu müssen.
Was Frugalismus ist – und was nicht
Frugalismus kommt vom lateinischen „frugalis“, sparsam. Gemeint ist kein Verzicht um jeden Preis, sondern ein Leben, in dem du nur für das Geld ausgibst, was dir wirklich wichtig ist. Den Rest legst du an, meist in einen breit gestreuten ETF-Sparplan. Das Ziel: deutlich früher finanziell frei sein als die meisten.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz hat sich darum eine aktive Szene gebildet, mit Blogs, Podcasts, Foren und Stammtischen. Das bekannteste Schlagwort ist die „Rente mit 40“. Ob das für dich realistisch ist, hängt an wenigen Zahlen.
Die ungeschriebenen Regeln der Szene
- Die Sparquote ist wichtiger als das Gehalt. Wer viel verdient und alles ausgibt, kommt nicht voran. Viele Frugalisten legen die Hälfte ihres Nettos oder mehr an.
- Die großen Posten zuerst. Wohnen, Auto und Versicherungen bringen mehr als der verzichtete Kaffee. Eine kleinere Wohnung oder kein eigenes Auto ändern die Rechnung spürbar.
- Einfach anlegen. Breit gestreute Welt-ETFs, regelmäßig besparen, nicht ständig umschichten.
- Notgroschen getrennt halten. Ein paar Monatsausgaben auf dem Tagesgeldkonto, damit du nie zum falschen Zeitpunkt verkaufen musst.
- Bewusst statt geizig. Ausgaben, die dir echte Freude machen, bleiben. Gespart wird bei Dingen, die dir nichts bedeuten.
Ein Beispiel: Tim, 25
Tim ist 25, Softwareentwickler in Nürnberg, und fängt bei null an. Er wohnt in einer WG, fährt Rad und kommt mit rund 1.500 € im Monat aus. Sein Ziel liegt damit bei etwa 450.000 €.
Um mit 40 frei zu sein, müsste er ab sofort rund 1.750 € im Monat anlegen. Er schafft 1.700 € – und kommt damit nach gut 15 Jahren ans Ziel, also kurz nach seinem 40. Geburtstag. Eine Gehaltserhöhung, die er direkt in den Sparplan steckt, würde die Lücke schließen.
Das Beispiel zeigt die Kehrseite: Die Rente mit 40 braucht niedrige Ausgaben und eine hohe Sparrate, und zwar über viele Jahre. Wer mit 35 beginnt oder eine Familie versorgt, braucht ein anderes Ziel. Das ist kein Scheitern, sondern ehrliche Planung.
Kleine Ausgaben, große Wirkung?
Die Szene wird gern auf den verzichteten Coffee to go reduziert. Der bringt allein wenig. Spannend wird es, wenn du regelmäßige Ausgaben in Zeit übersetzt: Ein Abo für 15 € im Monat ist über die Jahre nicht nur Geld, sondern ein Stück deines Ziels, das du zusätzlich ansparen musst. Wer so denkt, entscheidet nicht aus Geiz, sondern mit Blick auf die eigene Freiheit.
Was Frugalisten oft unterschätzen
- Die Krankenversicherung. Nach dem Ausstieg zahlst du sie selbst. Ein sehr niedriges Budget, das sie nicht enthält, ist zu niedrig.
- Lebensphasen. Kinder, Pflege der Eltern, ein Umzug: Mit 25 sehen die Ausgaben anders aus als mit 45.
- Die lange Strecke. Wer mit 40 aufhört, braucht sein Geld vielleicht 50 Jahre. Viele wählen deshalb eine vorsichtigere Entnahmerate als 4 %. Mehr dazu bei der 4-Prozent-Regel.
- Weniger Beitragsjahre. Wer mit 40 aussteigt, zahlt viele Jahre nicht mehr in die Rentenversicherung ein. Die spätere gesetzliche Rente fällt dann kleiner aus – plane sie höchstens als Bonus ein.
Und noch etwas: Motivation. Zehn, fünfzehn Jahre mit hoher Sparquote sind lang. Viele Frugalisten berichten, dass ihnen sichtbare Zwischenziele helfen – etwa der Moment, in dem die Erträge die Miete zahlen könnten.
Wenn 40 nicht passt
Viele Frugalisten landen am Ende nicht bei der völligen Freiheit mit 40, sondern bei etwas, das ihnen besser gefällt: mit Anfang 40 auf Teilzeit gehen, ein Sabbatjahr nehmen oder den Job wechseln, ohne aufs Gehalt schauen zu müssen. Wie viel Vermögen dafür reicht, zeigt der Barista-FIRE-Rechner.
Wie stark deine Sparquote deinen Weg verkürzt, rechnet der Sparquote-Rechner vor. Und warum frühes Anfangen so viel bringt, erklärt der Zinseszins-Rechner.
Häufige Fragen
Ist die Rente mit 40 realistisch?
Für manche ja, vor allem bei frühem Start, niedrigen Ausgaben und einer hohen Sparquote über viele Jahre. Für die meisten ist ein Ziel ein paar Jahre später oder ein Teilzeit-Modell realistischer.
Welche Sparquote haben Frugalisten?
Oft die Hälfte des Nettos oder mehr. Wichtig ist weniger eine bestimmte Zahl als die Richtung: Je mehr du von deinem Einkommen behältst, desto kürzer der Weg.
Ist Frugalismus nicht einfach Geiz?
Nein. Es geht darum, Geld nur für Dinge auszugeben, die dir wirklich wichtig sind. Was dir Freude macht, bleibt im Budget.
Wie legen Frugalisten ihr Geld an?
Die meisten setzen auf einen einfachen ETF-Sparplan, oft auf einen breiten Welt-ETF, und halten einen Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto. Das ist keine Anlageberatung, sondern eine Beschreibung der Szene.
Was passiert mit der gesetzlichen Rente bei frühem Ausstieg?
Sie fällt in der Regel niedriger aus, weil weniger Beitragsjahre zusammenkommen. Die genauen Folgen hängen von deinen lokalen Regeln ab.
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Veröffentlicht am · von Srofia